Blog vom 28.03.2021:
Auf den vollen Straßen unseres Denkens

 

Lirbe Leserin, lieber Leser!

Wie gut wäre es doch, wenn die verordnete Osterruhe oder so ein „Runterfahren“ auch genauso in unseren Köpfen stattfinden könnte. So einfach per Festlegung, per Schalter, den man umlegt, und schon genießt man Ruhe und Frieden. Das hat sich sicher jeder schon einmal gewünscht.
Keine anstrengenden Gedanken, keine Sorgen, kein Grübeln, – einfach Ruhe.
Doch das funktioniert nicht per Verordnung.

Manchmal sind unsere Gedanken so rege, dass wir uns eher fühlen wie in einem Gedanken-Verkehrschaos, in einem Pulk von sich ständig bewegenden Gedanken-Autos, eins nach dem anderen, so dicht, dass man noch nicht mal in eine ruhigere Seitenstraße abbiegen kann. Man wird einfach mit dem Strom mitgerissen, und dann fährt man halt. Immer weiter – im Feierabendverkehr wird es noch dichter, doch selbst danach ist immer Verkehr, ein Gedanken-Auto nach dem anderen. Manchmal haben wir vor lauter Gedanken tatsächlich ein Summen im Ohr, ganz ähnlich dem ständigen Geräusch, das man hört, wenn man sich in der Nähe einer großen Autobahn aufhält.

Unser Gehirn ist ständig aktiv, ohne Pause produzieren Neuronenstürme einen Gedanken nach dem anderen, ob wir das angenehm finden oder nicht.
Manchmal mögen wir ja auch unsere Gedanken – dann stört es uns weniger. Wer hat das Verliebt-Sein nicht genossen, wenn man auf Wolke 7 sitzt und an nichts, aber auch an gar nichts anderes denken kann als an den einen oder die eine welche?
Oder wenn wir etwas Schönes, Überwältigendes erleben, etwas, das uns begeistert und fasziniert, das uns Freude macht? Dann ist es ein Genuss, in Gedanken alles noch einmal zu erleben.

Ganz anders ist es mit Erinnerungen, die uns weniger lieb sind, an traurige, schmerzhafte oder traumatische Ereignisse – die scheinen uns fast noch länger im Kopf herumzuschwirren. Wir versuchen, gerade diese Dinge zu verstehen und Erklärungen, Lösungen zu finden – und das fühlt sich oft so an, wie mit dem Auto endlos im Kreis zu fahren ohne anzukommen: Qualvoll!

Manchmal kommt es zu einem Unfall – bum, und plötzlich sind ganz andere Gedanken da.
Das ist dann, wenn uns etwas ablenkt oder etwas passiert, dem wir unsere Aufmerksamkeit nicht gleich entziehen können. Und das muss kein Unfall im wahren Leben sein – manchmal ist es nur, dass wir die Milch überkochen haben lassen oder wir einen Anruf bekommen und ein Gespräch mit einer anderen Person beginnen. Plötzlich ist für einen Moment alles vergessen – neue, andere Gedanken sind da.
Doch dann – kaum ist der Herd wieder sauber oder das Telefonat beendet – reihen wir uns wieder oft mit einer Art stoischer Resignation freiwillig in unser Denk-Karussell ein und drehen uns weiter im Kreis – und das macht gar nicht so viel Spaß wie damals auf der Kirmes, wo wir stundenlang im Feuerwehrauto sitzen konnten und nicht genug davon kriegen konnten, dem Polizeiauto vor uns hinterher zu fahren…

Manch einer versucht es mit Meditieren, denn schließlich muss man ja irgendwie den Geist beruhigen können, und vielleicht ist ja irgendwann endlich da oben Ruhe, wenn man nur auf die richtige Weise, lange genug und oft genug meditiert.
Es ist nicht so, dass Meditation keine positive Wirkung hätte – aber die Gedanken gehen davon auch nicht weg! Deshalb meinen viele Menschen, dass Meditieren bei ihnen nicht funktioniert, weil sie – sobald der äußere Lärm abgestellt ist – den inneren Lärm umso lauter hören. Dabei ist das ganz normal.

Konzentrieren wir uns nun mal nicht auf den Inhalt unserer nie endenden Neuronenprodukte, wird und bewusst, dass wir einfach immer Gedanken haben, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, ein endloser Strom ohne Aus-Schalter.

Ruhe stellt sich in anders ein, als wir vielleicht erwarten würden: Nicht durch das Ausbleiben von Gedanken, sondern durch das Verstehen ihrer Natur und dem einen Schritt zurückzutreten von deren Inhalt:
Gedanken sind immer da, werden immer da sein, sind vergänglich, einer folgt dem anderen, und frische Gedanken kommen, wenn wir uns nicht an den alten festklammern. Das ist unsere menschliche Bedingung.
Die Inhalte unserer Gedanken können wir uns auch nur bedingt aussuchen – man könnte versuchen, dagegen anzukämpfen und quasi das eine oder andere Gedanken-Auto auf den Schrottplatz zu fahren – doch die Lücke würde gleich von einem anderen geschlossen und wir müssten ziemlich viel Energie aufwenden, alles, was stört, in die Schrottpresse zu drücken. Und wer will schon den ganzen Tag hab acht neben der Schrottpresse stehen? Wir alle kennen unsinnige Gedanken, wir alle haben Denkschrott: Wir müssen den Inhalten, die uns unangenehm sind oder stören, nicht all die Aufmerksamkeit schenken, die sie uns scheinbar abfordern: Vieles ist unsinnig und es ist nicht gefährlich einfach mal ein paar alte, hässliche, rostige, dröhnende Autos vorbeifahren zu lassen, ohne uns darum zu kümmern.

So wird es dann nämlich ruhiger: Nicht indem wir Autos krampfhaft anhalten oder verschrotten, nein, indem wir uns auf einen virtuellen Sessel neben der Straße setzen und die Autos eben mal Autos sein lassen. Egal ob ein grünes oder graues vorbeifährt, ob eine Schrottkarre oder Tesla – wir lassen sie weiterfahren. Wir versuchen nicht, in den verführerischen Ferrari zu springen, aber wir versuchen auch nicht, diesen alten Laster mit dem Motorschaden zu stoppen und brauchen uns auch nicht über ein hupendes Cabrio oder die Sirenen eines Polizeiautos ärgern. Wir bleiben in unserem Sessel oder Stuhl, quasi wie in einem Straßencafe, genießen unseren Kaffee und überlassen den Verkehr sich selbst. Wir müssen ihn weder regeln, noch Strafzettel verteilen, noch Schrottautos abschleppen. Das ist nicht unser Job. Wir bleiben sitzen und dürfen einfach nichts tun – unser Geist braucht keine Gedanken-Autos managen…

Genau das lernt man beim Meditieren – aber Du kannst das jederzeit tun:
Einen Schritt zurücktreten, und das Gedanken-Verkehrschaos sich selbst überlassen.
Du hat Gedanken, aber Du bist nicht Deine Gedanken…
Und je tiefer Du dies für Dich sehen kannst, immer mal wieder, Stückchen für Stückchen, je mehr wirst Du die Ruhe in Dir spüren: Die Ruhe hinter den Gedanken, die immer da ist, egal wie laut es gerade in Deinem Leben ist – egal wie viel Denkverkehr ist!

Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche und schöne Ostertage mit vielen entspannten Stunden im ruhigen, virtuellen Straßencafe!
Alles Liebe,
Doerthe

 

Blog vom 28.02.2021:
Blue Days: Einfach mal traurig?

 Liebe Leserin, lieber Leser!

Manchmal sind wir einfach traurig.
Ohne dass es einen direkten oder ersichtlichen Grund gibt.

Das heißt – irgendein Grund lässt sich ja immer finden, wenn man nur lange genug hinschaut:
Wenn wir traurig sind, wollen meist herausfinden, warum, damit wir
möglichst schnell die Traurigkeit hinter uns lassen können oder die Ursache zumindest verstehen. Denn traurig will man ja nicht sein, oder?

Dabei ist Traurigkeit ein ganz normales Gefühl aus dem großen Repertoire der Gefühle, die wir unser Leben lang Tag ein Tag aus haben.
Während wir die schönen und angenehmen mögen, deuten wir die unerwünschten oder unangenehmen meist als ein Indiz, dass etwas nicht stimmt – und wollen sie loswerden.
Kennst Du das?
Doch wenn sich mal der Blues breitmacht und Du traurig bist, ist das kein Grund zur Sorge…

Erinnere Dich:
Alle unsere Gefühle kommen nur aus einer Quelle, die in uns liegt:
Unsere Gedanken. Wir fühlen immer nur unsere Gedanken jetzt im Moment, Gedanke und Gefühl hängen zusammen wie eine Münze mit beiden Seiten.

Und da unser menschliches Gehirn täglich rund 150.000 Gedanken produziert, wovon die meisten unbewusst sind, ergibt sich ein riesiges Potential von Gefühlen!
Bei manchen – den bewussten – können wir nachvollziehen, wo sie herkommen, bei anderen – den unbewusste, und das ist die ganz große Mehrheit – können wir es nicht.

Ich fand zwar Mr. Spock, den Vulkanier von Raumschiff Enterprise immer ziemlich cool, aber tauschen wollte ich mit ihm nicht: Gefühle sind doch etwas tolles, lebendiges, bereicherndes, ja faszinierendes, das mit Logik allein nicht aufzuwiegen ist!

Auch solche Gefühle, die wir lieber vermeiden, haben ihre Berechtigung und in ihnen findet sich auch Schönes und Besonderes!
Und das Gute ist: Wenn wir wissen, wie Gefühle entstehen und dass sie vorübergehend sind und sich mit einem neuen Gedanken schnell ändern können, dann empfinden wir sie nicht zwangsläufig als beunruhigend:
Sich traurig fühlen bedeutet eben nicht, dass mit uns etwas nicht stimmt, dass wir an unserem Leben etwas ändern müssen, dass irgendwas nicht okay ist oder wir eventuell nun eine Depression bekommen.
Sich traurig fühlen und nicht wissen warum,  bedeutet, dass wir gerade traurige Gedanken haben, die uns nicht bewusst sind. Und das ist normal und menschlich.

Wenn Du Dich also dabei ertappst, dass Du gerade etwas traurig bist, einfach so,
dann halte doch mal inne und fühle in die Traurigkeit hinein – es ist nicht gefährlich:

Wie fühlt sie sich an, Deine Traurigkeit an?
Ist da etwas Feines, Zartes?
Welche Dynamik hat sie?
Öffnet sich Dein Herz eher und wird weit – oder schließt es sich?
Welche angenehmen, delikaten Empfindungen kommen in Deiner Traurigkeit?
Was macht die Traurigkeit mit Deiner Kreativität – welche Ideen oder auch Einsichten kommen Dir, die Du möglicherweise sonst übersiehst?
Fühlst Du dich eher verbunden mit dem großen Ganzen oder eher abgeschnitten?
Schwingt vielleicht Liebe und Mitgefühl mit? Oder Dankbarkeit?
Kommt vielleicht Nachsicht auf, Milde oder Verständnis?
Vielleicht gibt es eine liebliche Sehnsucht?
Fühlst Du die Dimension unseres Daseins in diesem Universum –
oder fühlst Du dich gar von allem getragen?
Spürst Du Frieden und Trost in Dir?
Und: Ist das alles nicht auch wunderschön?

Denk mal an all die schönen, traurigen und melancholischen Songs, die wir lieben, weil sie eine Schwingung in uns treffen, die wir alle kennen, die uns vertraut ist…

Wie jeder Mensch bin gern fröhlich, doch das Traurig-Sein genieße ich auch:
Schon als Kind kannte ich traurige Stunden, einfach so…und ich mochte es schon damals, in dieses Gefühl einzusinken und durch das Dachfenster über meinem Bett den ziehenden Wolken nachzusehen. Meine Mutter nannte diese Traurigkeit Weltschmerz – und ich finde heute noch, dass dieser Begriff es ganz gut trifft:
Manchmal scheint uns das Dasein in dieser Welt schmerzhaft-schön, und Geist, Herz und Seele öffnen sich auf eine bestimmte, sanfte Weise, die uns bereichert.

Wenn Du mal wieder traurig bist – einfach so –
lass das „weil“ weg, und unterdrücke nichts.
Schau in Dich, atme tief, mach Dich weit … Du fühlst – Du lebst!
Auch in der Traurigkeit gibt es viele Wunder zu entdecken und viele feine Nuancen, die man genießen kann.

Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche und den Frühling, der uns hoffentlich bald mit Sonne, Wachstum und nicht nur offenen Knospen verwöhnt!

Liebe Grüße,
Doerthe

 

 

Blog vom 24.01.2021
Leben im Moment – aber doch nicht jetzt?!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Eine Sache, von der ich immer wieder spreche, ist, im Moment zu leben, da dort unsere Lebensqualität und Freude liegt – und dass das Sein im Moment wesentlich dabei ist, das Leben zu genießen.
Nun kann man angesichts der derzeitigen Lage leicht auf die Idee kommen, dass der gegenwärtige Moment umständehalber ja nicht gerade viel für uns bereithält:
Und da soll man jetzt im Moment leben und diesen auch noch gut finden?
Wenn Dir der Gedanke gekommen ist, dass ein anständiger Winterschlaf und dann aufwachen, wenn  alles wieder „normal“ ist, die beste Möglichkeit wäre, durch diese Zeit zu kommen, bist Du damit sicher nicht allein.
Aber da uns dies nicht vergönnt ist, lohnt es sich, noch einmal hinzuschauen, was da wirklich gemeint ist, mit dem Moment, und sich zu erinnern:

Das Wort „Moment“ ist verknüpft mit präsent sein, im Jetzt sein,  in dem was gerade ist.
Es ist dieser Moment, der einzige Augenblick, in dem wir wirklich leben, im hier und jetzt.
Wenn wir alles um uns herum frustrierend finden, Ungewissheit und Sorgen sich breit machen , und es sich anfühlt, als sei  der Moment, diese Zeit gerade, wirklich mies – dann sind wir nicht im Moment- sondern in unseren Gedanken.
Wir verwechseln unsere Gedanken, die wir gerade haben, mit dem Moment.
Es ist nicht der Moment, der uns unzufrieden, frustriert, sorgenvoll macht – es sind unsere Gedanken, die wir gerade haben, und die wir entsprechend fühlen.

Im Moment kommst Du dann an, wenn Du all diese Gedanken und Grübeleien loslässt.
Das klingt einfach, ich weiß, unser Geist ist immer aktiv und in unseren Köpfen ist es immer laut. Viele der internalen Dialoge kennen wir, weil wir sie Mal um Mal wiederholen, ohne dass wir dadurch zu neuen Erkenntnissen kommen…

Vier Sachen helfen:

1) Frag Dich, ob Du etwas für die Sache, um die Deine Gedanken kreisen, tun kannst.
Wenn ja: Tu es direkt. Wenn nein, lass sie gehen: Es ist gerade nicht Dein Job. Du hast Pause.

2) Du brauchst nicht jeden Deiner Gedanken ernst nehmen – und nicht jeder Deiner Gedanken ist so wichtig, dass Du ihm zwangsläufig Aufmerksamkeit schenken musst: Du sitzt am längeren Hebel. Du hast die Wahl. Du hast Gedanken, aber Du bist nicht Deine Gedanken.

3) Da die Stimme in Deinem Kopf weiter sehr aufdringlich sein kann, ihre Meinung kundzutun, stell Dir vor, alles, was sie sagt, wäre in einer fremden Sprache, die Du nicht verstehst – wie eine Radiosendung auf Chinesisch, die im Hintergrund läuft. Du musst Dich nicht weiter darum kümmern.

4) Immer noch Widerstand?
Oft pendeln wir uns unbemerkt auf Widerstand ein, weil wir entschlossen sind, eine Situation oder Sache nicht zu mögen und nicht zu akzeptieren. Das ist menschlich, aber hält uns da fest, wo wir eigentlich nicht sein wollen: In einer Sackgasse. Solange wir Widerstand aufrechterhalten, solange kann sich nichts bewegen, schon gar nicht zum Positiven. Probiere es: Es ist entspannend und erleichternd, Widerstand und Gegenwillen aufzugeben! Und es tut nicht weh!

Alle diese Punkte helfen Dir,  Abstand und gewinnen und damit Freiraum, der Dich im Moment ankommen lässt.
Hier findest Du neue Kreativität, Ruhe und Energie, und von hier gewinnt das Leben wieder an Qualität, unabhängig von allem, was gerade in der Welt los ist:
Hier liegt eine Wurzel unserer natürlichen Resilienz, mit der wir schwierige Zeiten meistern können.

Und so genießen wir leichter ein bisschen das, was gerade ist – auch wenn wir es lieber anders hätten: Irgendwann ist auch der Stillstand vorüber, und dann kommt wieder die Zeit wo wir denken: Ach, was hätte ich nun gern ein bisschen von der Ruhe und dem Luxus der Langeweile in der Corona-Zeit zurück…

Ich wünsche Dir einen guten Start in die Woche,
bleib gesund – und im Moment,
alles Liebe,
Doerthe

 

PS: Noch ein Tip:
Füttere Deine Imagination, Widerstände und Sorgenwölfe nicht noch weiter mit Daten, die letztlich nichts Produktives für Dich tun. Wenn Du oft Nachrichten liest oder hörst – oder gar nun aus Langeweile und Zeitvertreib öfter als üblich auf die Schlagzeilen auf Deinem Handy schaust, befeuerst Du den Geist mit all diesen negativen Daten – und lieferst ihm ständig Stoff für neue befürchtete und fiktive, allgemeine und persönliche Katastrophenszenarien. Weniger Nachrichten sind gut, und wir werden das Ende des Lockdowns sicher nicht verpassen, wenn wir nicht jede Zahl und jede neue Virologen-Vorhersage verfolgen.
Es bietet sich auch an, das C-Thema mal aus den Gesprächen mit Freunden und Familie zu verbannen- trotz der Situation gibt es doch noch so viel andere Sachen, als sich gerade gemeinsam über das auszulassen, was man vermisst und befürchtet.