Blog vom 29.08.2021:
Die Sonne in Dir

 

 Liebe Leserin, lieber Leser!

An diesem verregneten, letzten Sonntag im August scheint es, als nähme dieser kühle Sommer nun untrüglich seinen Abschied. Ich bin nachdenklich, und auch ein bisschen melancholisch. Vielleicht geht es Dir auch so, dass der Sommer nicht die erhoffte Wärme gebracht hat und Dich der Gedanke, nun „unaufgetankt“  in die kältere Jahreszeit zu gehen, betrüblich stimmt.  

Doch zum Glück haben wir neben der äußeren Sonne auch eine innere!

Kannst Du ihre Wärme spüren oder ist sie hinter dicken Wolken versteckt?

Die beste Wärmequelle, die wir haben, ist unsere innere Sonne!
Man mag es auch „inneres Licht“,  die Essenz,  unseren Kern, unsere innere  Heimat, unsere Quelle, unseren stillen, inneren Raum nennen – es gibt viele Namen für den „Ort“, den wir alle in uns haben.

Meist ist dieser Ort hinter dicken Wolken verborgen: hinter all den Gedanken, Ideen, Konzepten, Sorgen, Vorstellungen, die uns den ganzen Tag durch den Kopf gehen.
Denn normalerweise liegt unser Fokus darauf, diese Gedanken zu bearbeiten:
Wir planen, erstellen To-Do-Listen, grübeln, wie wir unsere Sorgen lösen, entwickeln Strategien, unsere Herausforderungen zu meistern. Wir denken über die letzten Ereignisse nach oder spielen die kommenden durch, wir versuchen herauszufinden, wie unser Leben besser wird oder wir versuchen zu verstehen, warum nur in dieser Welt  so viele schlimme Dinge passieren müssen.

Eine Gedankenflut wie diese verdunkelt selbst einen strahlenden Sommertag. Dazu noch ein Blick in die Schlagzeilen der Nachrichten, der regelmäßig bestätigt: Es gibt gerade tatsächlich nicht viel, über das man jubeln könnte.
Und dann war auch noch der Sommer murks. Da kann man nur noch frieren!

Genau in dieser Schleife ertappe ich mich auch immer wieder selber:

Ich habe mich in meinen Gedanken verloren und meine Verbindung zu dem warmen, nährenden Ort in mir scheint abgeschnitten. Nicht nur das: Er scheint gar nicht mehr da zu sein!

Tatsächlich sind es nur die Wolken aus meinen eigenen Gedanken, die ihn verdecken.

So ist es für jeden von uns.
Wir alle haben diesen ruhigen, warmen und nährenden Ort in uns
und doch fallen immer wieder darauf herein, nur unseren Gedanken Beachtung zu schenken. Wir überlassen unserem Denken die Suche nach Wärme, Erleichterung, Frieden und Erholung.
Es sind aber niemals unsere Gedanken, Ideen, Konzepte und Strategien, die uns zu unserer inneren Quelle führen  – im Gegenteil: Sie leiten uns davon weg, denn die Gedanken kennen nur das äußere Universum. Von unserem inneren Universum wissen sie nichts, denn es liegt vor dem Geist!

Eine kleine Morgenroutine kann uns helfen, uns am Tag nicht im Fokus auf das Außen zu verlieren, sondern uns an die Verbindung zu unserer inneren Quelle zu erinnern und uns mit den aufzutanken, was uns nährt.
Dazu reicht schon eine Mini-Routine von zwei Minuten.

Bevor Du in den Tag startest, unter die Dusche springst, auf Dein Handy schaust oder im müden Automatismus in Deine Klamotten steigst und nur an Kaffee denkst:

Setz Dich für zwei Minuten gerade hin und atme bewusst.
Schließ die Augen oder lass sie offen auf einen Punkt gerichtet, falls du befürchtest, wieder einzuschlafen.
Spüre in Dich hinein, in Dein inneres Universum.
Das ist mindestens so groß wie das äußere Universum, und es ist ein sicherer, warmer Ort, der Dich mit Frieden und Ruhe willkommen heißt.

Hör für zwei Minuten nicht auf deine Gedanken. 
Dein Geist wird möglicherweise genau dann,  wenn du endlich einmal ruhig wirst, extra auftrumpfen und  mit den dringlichsten oder absurdesten Dingen daherkommen. Das ist normal: Ignoriere ihn einfach. Er ist wie ein kleines Kind, das unbedingt Deine Aufmerksamkeit zurück will. Du lässt es einfach allein weiter spielen und plappern, auch wenn ihm das nicht ganz so gut gefällt: Es ist okay.

Halte deine Aufmerksamkeit sanft in Dir drin.
Geh hinter Deine Gedanken, hinter Deinen Geist.
Nimm die guten, ruhigen Empfindungen, die aufsteigen, in Dich auf.
Lass los. Genieß. Sei einfach.

Dabei kannst Du nichts falsch machen, auch wenn es sich ungewohnt anfühlt!

Zwei Minuten reichen für den Anfang – und Deine Seele ist gefüttert und gewärmt für den Tag. Du wirst Dich schneller wieder an Deine warme, innere Quelle erinnern, wenn Dich Deine Gedanken in trübe, frostige Gefilde ziehen.

Ich wünsche Dir eine gute Zeit mit viel Sonne –
von außen und von innen!

Liebe Grüße, Doerthe

 

 

 

Blog vom 01.08.2021:
Von Urlaub, alten Hunden und Denkpausen

Lieber Leserin, lieber Leser!

Ich fühle mich urlaubsreif!

Am liebsten würde ich alle Verpflichtungen ignorieren und einfach nichts tun.
Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich am liebsten zwei Wochen am Strand oder am Ufer eines Sees sitzen und nur aufs Wasser starren. Ruhe um mich herum, Ruhe in mir drin, und einfach sein. SEIN. Ja, danach ist mir: Nichts mehr müssen oder sollen, keine Erledigungsliste, keine Tagesplanung, keine Termine, keine Verpflichtungen!

Da aber mein Urlaub leider nicht vor September beginnen wird, habe ich in meiner Ungeduld beschlossen, direkt heute mit Urlaub anzufangen!
Wenn Du denkst, ich habe nun das Telefon ausgeschaltet, alle Termine abgesagt und sitze nur noch auf das Wasser in er Vogeltränke starrend im Garten,  kann ich Dich beruhigen: Schöne Idee, aber selbst ich kann mich nicht so schnell aller Verpflichtungen entledigen.

Aber ich habe mich besonnen und folgendes beschlossen:
Meine anstrengenden Gedanken, meine inneren Antreiber, mein Kopfkino und mein inneres Stressmännchen haben Zwangspause!
Selbst verordneter Urlaub vom eigenen Kopf und Denken – geht das?

Ja und nein…

Vorweggeschickt: Wir haben immer Gedanken…

Wahrscheinlich schreibe ich darüber in irgendeiner Form in allen meinen Blogs, doch ich werde dessen nicht müde! Im Gegenteil: sich immer wieder daran zu erinnern, wie unser Geist funktioniert  und wie Gedanken beschaffen sind, ist eines der sinnvollsten und befreiendsten Dinge, die ich in meinem Leben gelernt habe. Gerade weil uns unsere Gedanken durch unser Bewusstsein so wichtig, dringlich, wahr und real erscheinen, vergessen wir es immer wieder:
Wir haben Gedanken, aber wir sind nicht unsere Gedanken!
Wir werden immer Gedanken haben, Tag und Nacht, rund 150.000 Stück am Tag.  Das ist Teil unseres Menschseins! Man könnte nun  – frech aber wahr –  sagen, mindestens  95% davon sind minderwertige Ausschussware, um die wir uns nicht weiter kümmern müssten – wenn wir ihnen nicht eine solch große Bedeutung beimessen würden.

Genau da fange ich an, mit meinem Urlaub:
Ich mache mir mal wieder klar, dass alle Gedanken – und zwar auch die unangenehmen, stressenden –  recht schnell von allein wieder verschwinden, wenn man ihnen keine Beachtung schenkt.
Dabei erlaube ich mir die Gnade des Weghörens oder Ignorierens: wenn die innere Stimme mich wieder antreiben will, sklavisch alle Punkte To-do-Liste abzuarbeiten, nur um an nächsten Tag mit einer neuen Liste anzufangen oder wenn sie mich in anstrengende Debatten über Dinge, die ich sowieso nicht ändern kann, verwickelt. Wenn gut nicht gut genug  und schnell nicht schnell genug ist, und ich mich darüber ärgere, dass der Tag eben nur 24 Stunden hat. ..

Nein, Ruhe! Der innere Antreiber hat jetzt Pause. Und wenn er trotzdem schreit, höre ich nicht hin.

Darauf hat mich mein alter Hund gebracht. Teddy ist schon ein wenig senil, und nach dem Morgenspaziergang läuft sie mit schöner Regelmäßigkeit hinunter zur geschlossenen Terrassentür und steht erwartungsvoll davor, anstatt mir um das Haus herum zur Eingangstür zu folgen. Und mit schöner Regelmäßigkeit bin ich jeden Morgen gestresst, weil mir so ein paar Minuten verloren gehen, denn Teddy ist mittlerweile taub: Wenn sie vor der Terrassentür steht und ich rufe, hört sie es nicht. Sie reagiert erst, wenn sie sich nach einer gewissen Weile, wenn wirklich niemand die Terrassentür öffnet, umdreht und mich am anderen Ende des Gartens winken sieht. Das hält mich in meinem morgendlichen Stress natürlich nicht davon ab, jeden Morgen trotzdem zu pfeifen, schnalzen, ihren Namen zu rufen und dabei genervt mit den Armen zu wedeln. Doch ist das zu glauben? Man könnte meinen, ich sei auch senil und vergesse jeden Tag aufs Neue, dass der Hund taub ist. Gut, wenn man über sich selbst lachen kann…

So ist es doch mit fast allem:  Es dauert so lange, wie es dauert, so sehr wir auch zappeln und rufen. Deshalb stehe ich nun einfach da, atme, betrachte den Garten und bringe selbst dem Wunder des sprießenden „Un“Krauts Achtung entgegen. Ich entspanne mich, bis Teddy nach einer kurzen Weile begeistert angetrottet kommt, weil ihr eingefallen ist, dass es ja noch einen anderen Weg ins Haus gibt.  Allein einfach ruhig zu werden und für diesen Moment nur zu sein, fühlt sich schon an, wie ein kleines bisschen Urlaub.

Die Erlaubnis zum Weghören:  Gegenüber der inneren Stimme mit all unserem Kopfkino werden wir zwar nie so taub wie ein alter Hund, aber unsere große Freiheit ist, dass wir wählen können, welchen Gedanken wir zuhören und welchen nicht. Und da werde ich die nächste Zeit sehr selektiv vorgehen!

Außerdem habe ich mir vorgenommen, jeden Tag mindestens eine Sache von der To-do-Liste zu streichen, die nicht wichtig und dringend ist, und dafür etwas zu tun, das meine Seele zum Schnurren bringt oder mir einfach Spaß macht. Hier gönne ich mir das ganze Spektrum von der Vogeltränken-Beobachtung über einen Mittagsschlaf, einer Stunde im Freibad, das nächste Kapitel in meiner Lektüre – bis hin zum einfach nichts tun und meinen Kaffee trinken, ohne dabei hektisch auf dem Handy rumzutippen und die nächsten Projekte zu organisieren. Nur ich und der Kaffee: Urlaub!

Ich hoffe, ich habe Dir ein paar Anregungen gegeben. Vielleicht kannst auch Du direkt in Deinen Urlaub starten kannst! Denn Urlaub ist auch Kopfsache

Genieß den Sommer!

Einen guten Start in die neue Woche,
alles Liebe,

Doerthe